Im Dezember liefert eine Photovoltaikanlage in Deutschland rund ein Fünftel dessen, was sie im Juni erzeugt. Von Oktober bis März kommen knapp 30 Prozent des Jahresertrags zusammen. Alle Zahlen in diesem Ratgeber sind mit PVGIS 5.3 gerechnet, dem Solarrechner der Gemeinsamen Forschungsstelle der EU. Sie zeigen, was du im Winter erwarten kannst, wo der Süden Deutschlands im Vorteil ist und warum steile Module jetzt besser abschneiden.
Ertrag je Monat: die Tabelle
Die Werte gelten für 1 kWp Modulleistung nach Süden am geografischen Mittelpunkt Deutschlands bei Niederdorla in Thüringen. Angenommen sind 14 % Systemverluste. Das Geländeprofil ist berücksichtigt, Schatten durch Gebäude oder Bäume nicht. Grundlage sind Strahlungsdaten der Jahre 2005 bis 2023.
| Monat | Dach, 30° | Steil, 60° | Senkrecht, 90° (Fassade, Balkon) | Flach, 0° |
|---|---|---|---|---|
| Januar | 31 | 38 | 36 | 17 |
| Februar | 51 | 57 | 51 | 33 |
| März | 91 | 94 | 77 | 69 |
| April | 120 | 112 | 81 | 105 |
| Mai | 134 | 115 | 74 | 129 |
| Juni | 135 | 112 | 67 | 136 |
| Juli | 133 | 112 | 69 | 132 |
| August | 123 | 111 | 76 | 113 |
| September | 102 | 102 | 80 | 82 |
| Oktober | 69 | 76 | 66 | 47 |
| November | 37 | 44 | 41 | 21 |
| Dezember | 28 | 35 | 33 | 14 |
| Jahr | 1.055 | 1.007 | 751 | 897 |
Angaben in kWh je kWp und Monat.
Was die Tabelle zeigt:
- Der Dezember ist der schwächste Monat. Bei 30° Neigung sind es 28 kWh je kWp, im Schnitt also 0,9 kWh am Tag. Im Juni sind es 4,5 kWh am Tag.
- November, Dezember und Januar bringen zusammen nur 9 % des Jahresertrags. Von Oktober bis März sind es 29 %.
- Im Winter gewinnen steile Module. Im Dezember liefern 60° und senkrecht montierte Module 18 bis 25 % mehr als 30°. Flach liegende Module schaffen nur die Hälfte.
- Übers Jahr bleibt das Dach mit 30° vorn. Der Wintervorteil steiler Module gleicht ihren Rückstand im Sommer nicht aus. Den Vergleich aller Winkel und Himmelsrichtungen zeigt die Neigungswinkel-Tabelle.
Ein Wert für den Durchschnitt ist kein Versprechen für jeden Winter. Im Dezember schwankt der Ertrag von Jahr zu Jahr um gut ein Fünftel nach oben oder unten.
Warum im Winter so wenig ankommt
- Kurze Tage: Zur Wintersonnenwende ist es in der Mitte Deutschlands knapp acht Stunden hell, im Juni gut 16 Stunden.
- Tiefe Sonne: Mittags steht die Sonne am 21. Dezember nur rund 15° über dem Horizont, im Juni über 60°. Das Licht trifft flach auf und legt einen langen Weg durch die Atmosphäre zurück. Schon niedrige Hindernisse werfen lange Schatten.
- Wolken und Nebel: November bis Januar sind die trübsten Monate. Bei geschlossener Wolkendecke erreicht die Module nur gestreutes Licht. Die Anlage arbeitet weiter, aber auf niedrigem Niveau.
Kälte dagegen hilft. Kristalline Module verlieren je Grad über 25 °C Zelltemperatur etwa 0,3 bis 0,4 % Leistung, unterhalb davon gewinnen sie im gleichen Maß. An klaren Frosttagen kann eine gut ausgerichtete Anlage mittags deshalb überraschend hohe Leistung zeigen. Am geringen Tagesertrag ändert das wenig, weil die Sonne nur wenige Stunden hoch genug steht.
Regionale Unterschiede: der Süden ist klar vorn
Im Sommer liegen die Regionen dicht beieinander. Im Winter gehen sie weit auseinander. Gerechnet für 30° Neigung nach Süden:
| Ort | Dezember | November bis Januar | Oktober bis März, Anteil am Jahr | Jahr |
|---|---|---|---|---|
| Hamburg | 21 | 77 | 27 % | 970 |
| Berlin | 26 | 91 | 29 % | 1.041 |
| Mitte (Thüringen) | 28 | 96 | 29 % | 1.055 |
| Köln | 29 | 105 | 31 % | 1.030 |
| Freiburg | 42 | 138 | 34 % | 1.114 |
| München | 45 | 143 | 35 % | 1.128 |
Angaben in kWh je kWp.
Im Dezember erzeugt dieselbe Anlage in München mehr als doppelt so viel Strom wie in Hamburg. Übers Jahr beträgt der Unterschied nur rund 16 %. Wer im Norden plant, sollte den Winter deshalb besonders nüchtern ansetzen.
Wie sich das über das Jahr und im Dezember auf 80 Städte verteilt, zeigt die Rangliste zum Solarertrag nach Städten.
Balkonkraftwerk im Winter
Ein Balkonkraftwerk mit 800 Wp, senkrecht am Geländer nach Süden, bringt im Dezember in der Mitte Deutschlands rund 26 kWh. Das sind knapp 0,9 kWh am Tag. Im Juni sind es rund 54 kWh. Am Geländer liegt der Winter damit nur bei der Hälfte des Sommers, auf dem Dach bei einem Fünftel.
- Fast alles wird selbst verbraucht. Schon eine Grundlast von 100 W, etwa für Kühlschrank, Router und Geräte im Standby, braucht 2,4 kWh am Tag. Der Winterertrag fließt fast vollständig in den eigenen Haushalt.
- Ein Speicher bleibt oft leer. Von November bis Januar bleibt kaum Überschuss, den er aufnehmen könnte. Das ist normal und kein Defekt. Wie viel ein Speicher übers Jahr bringt, steht unter Balkonkraftwerk mit Akku.
- Abbauen ist nicht nötig. Die Module sind für den Außeneinsatz im Winter gebaut. Prüfe vor den Herbststürmen aber Halterungen und Schrauben.
Schnee auf den Modulen
Bei 30° Neigung und mehr rutscht Schnee meist von selbst ab, sobald die Sonne die glatte Glasfläche etwas erwärmt. Flach montierte Module bleiben länger bedeckt.
- Nicht aufs Dach steigen. Beim Schneeräumen auf Dächern ist es schon zu schweren Unfällen gekommen. Das Risiko steht in keinem Verhältnis zum Ertrag.
- Nicht kratzen. Keine Schaufel, kein Eiskratzer, kein Streusalz. Erreichbare Module am Boden oder auf dem Carport kannst du mit einem weichen Besen oder einem Schneeschieber mit Gummilippe abziehen.
- Dachlawinen beachten. Von Modulen rutscht Schnee schneller und auf einmal ab. Wege und Eingänge unter dem Dach im Blick behalten.
- Schneelast: Welche Last Module und Montagesystem tragen, steht in deren Datenblättern. Bei außergewöhnlich viel Schnee auf einem Flachdach gehört die Frage in die Hand eines Fachbetriebs.
Der Ertragsverlust ist kleiner, als er wirkt. Eine Woche mit zugeschneiten Modulen kostet im Dezember rund 6 kWh je kWp.
Werkzeug für erreichbare Module
Für Module auf Carport, Gartenhaus oder Terrassendach, die du vom Boden aus erreichst. Nicht für das Hausdach und nicht von der Leiter.
Axis Line PV-Schneeschieber 54 cm mit Teleskopstange 6 m
Schaufel mit weicher Gummilippe, 54 × 12 cm, laut Hersteller bruchfest bis −40 °C. Die Stange gehört nicht dazu; passend ist die Profi-Teleskopstange 6 m derselben Marke.
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Aquascopic: Teleskopstange 5,4 m mit Schneeräumer und Bürste
Alles in einem Paket: Aluminiumstange bis 5,4 m, Schneeräumer und eine Bürste für die Reinigung im übrigen Jahr.
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Angaben laut Angebotsseiten, Stand 8. Oktober 2026, kein eigener Test. Worauf es beim Kauf ankommt: PV-Schneeschieber im Kaufcheck.
Was im Winter hilft
- Verbrauch in die Mittagsstunden legen. Waschmaschine, Spülmaschine und Akkus laden, wenn die Sonne am höchsten steht.
- Erträge mit dem Vorjahr vergleichen, nicht mit dem Sommer. Liegt der Dezember deutlich unter dem Vorjahr, lohnt ein Blick auf Verschattung, Verschmutzung und Fehlermeldungen des Wechselrichters.
- Bei der Planung an den Winter denken. Eine Wärmepumpe braucht den meisten Strom dann, wenn die Anlage am wenigsten liefert. Wer im Winter möglichst viel Sonnenstrom will, setzt eher auf steile Südflächen als auf flache Ost-West-Belegung. Ost-West mit 15° bringt im Dezember nur halb so viel wie Süd mit 30°.
Häufige Fragen
Lohnt sich Photovoltaik im Winter überhaupt?
Eine Anlage rechnet sich übers Jahr, nicht im Winter. Von Oktober bis März erzeugt sie knapp 30 % ihres Jahresertrags. Dieser Strom wird fast vollständig selbst verbraucht und ersetzt teuren Netzstrom.
Wie viel Strom erzeugt eine 10-kWp-Anlage im Dezember?
Bei 30° nach Süden in der Mitte Deutschlands rund 280 kWh, also etwa 9 kWh am Tag. In Hamburg sind es rund 210 kWh, in München rund 450 kWh.
Funktioniert Photovoltaik bei bewölktem Himmel und Nebel?
Ja, aber auf niedrigem Niveau. Die Module nutzen auch gestreutes Licht. Die Monatswerte in diesem Ratgeber enthalten die typische Bewölkung bereits.
Muss ich Schnee von der PV-Anlage entfernen?
In der Regel nicht. Auf geneigten Dächern rutscht er meist von selbst ab. Nur gefahrlos erreichbare Module mit weichem Werkzeug abziehen, nie aufs Dach steigen.
Schaden Frost und Kälte der Anlage?
Module und Wechselrichter sind für den Winter ausgelegt; Kälte erhöht sogar den Wirkungsgrad der Module. Anders ist es bei Batteriespeichern: Lithium-Akkus dürfen unter 0 °C meist nicht geladen werden. Steht der Speicher in einem unbeheizten Raum, gilt der Temperaturbereich aus seinem Datenblatt.
Weiterführende Ratgeber
- Solarertrag nach Städten: 80 Städte im Vergleich
- Photovoltaik-Neigungswinkel: Tabelle zur Planung und Ertragsprüfung
- 8-kWp-PV-Anlage: Ertrag und Speicher
- Balkonkraftwerk mit Akku
- Balkonkraftwerk und Stromtarif: Was spart mehr?
- Powerbank mit Steckdose: laden und lagern bei Kälte
Redaktionell erstellt: 1. Oktober 2026. Monatswerte mit PVGIS 5.3 berechnet am 1. Oktober 2026 (Strahlungsdaten PVGIS-SARAH3, 2005–2023, 14 % Systemverluste). Die Werte dienen der Einordnung; für eine konkrete Anlage zählen Standort, Verschattung und Datenblätter.
